Prof. Dr. Rebekka A. Klein

Professor für Systematische Theologie

Kontakt

Prof. Dr. Rebekka A. Klein
Lehrstuhl für Systematische Theologie
Evangelisch-Theologische Fakultät, Universitätsstr. 150, GA 8/139, 44801 Bochum

rebekka.klein@ruhr-uni-bochum.de

Sekretariat

Derzeit nicht besetzt

Öffnungszeit:
n.V.

In den Monaten März und August ist das Sekretariat nicht besetzt.

Tel.: 0234-32-28425
Fax: +49-234-32-14026

oekumene@rub.de

Lehrstuhl für Systematische Theologie/Ökumene und Dogmatik




Prof. Dr. Rebekka A. Klein und das Team des Lehrstuhles


(von links: Paula Sandkuhl, Prof. Dr. Rebekka A. Klein, Vivien Mulaj, Linda Schampel, Antti Lueck, Dr. Calvin Ullrich, Dr. Hendrik Stoppel)

© RUB/Marquard



Neuigkeiten vom Lehrstuhl

_____________________________________________________________
_____________________________________________________________

New Volume "The Unthinkable Body"

A collected volume with the contributions to the interdisciplinary workshop series at the Chair of Systematic Theology in Bochum (2022-23) will be published under the title "The Unthinkable Body. Challenges of Embodiment in Religion, Politics, and Ethics" in the series 'Religion in Philosophy and Theology' (RPT) by Mohr Siebeck this year. It is edited by Calvin Ullrich (University of the Free State/South Africa) and Rebekka A. Klein (RUB).

 

"In the era of pandemics, hyper-digitalization, mass migration, and precarious ecology, the idea of what it means to live as a bodily creature is more important than ever. Descriptions of the body in religion and philosophy have sought to integrate the sources of Spirit and Matter into a comprehensive framework of embodiment. But what is the status of this paradigm today? In thinking humanity as a unified being of bodily perception, are there not dimensions of corporeal existence which remain constitutively ‘unthought’, and what are the implications of this insight for religion, politics, and ethics? This volume has collected various responses to these questions to ‘think’ the Unthinkable Body both together with, and beyond, embodied reason."

 

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Neue Reihe "Exploratio - Systematische Theologien"

Der Verlag Karl Alber startet 2024 eine neue Reihe „Exploratio - Systematische Theologien“, die von Matthias Ruf, Johannes Grössl, Veronika Weidner und Rebekka A. Klein in ökumenischer Verbundenheit herausgegeben wird. Weitere Informationen folgen.

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Vier Forschungssemester

Frau Prof. Dr. Rebekka A. Klein hat eine Förderung der DFG für vier Forschungssemester erhalten. Sie bearbeitet das DFG-Projekt "Eine kritische Phänomenologie der christlichen körperlichen Affekte" sowie das DFG-Projekt „Leib Christi: ökumenische und interdisziplinäre Potenziale des Ansatzes bei einer verkörperten Praxis der Kirche“.

Projekt "Leib Christi":

Das Forschungsprojekt möchte die metaphorische Deutung der Kirche als Leib Christi aus einer neuen Perspektive beleuchten und die konfessionsübergreifenden und ökumenischen Potenziale einer Wahrnehmung der Kirche als verkörperte Praxis untersuchen. Als Ausgangspunkt soll der römisch-katholisch wie protestantisch derzeit gleichermaßen in Anspruch genommene Ansatz bei einer verkörperten Anthropologie dienen. Das Projekt geht davon aus, dass sich mit diesem Ansatz nicht nur in der theologischen Anthropologie und Ethik, sondern auch in der Christologie und Ekklesiologie neue Akzente setzen lassen. Zudem soll gezeigt werden, dass sich die Potenziale dieses Ansatzes nicht nur innerhalb der konfessionellen Ekklesiologien, sondern auch ökumenisch entwickeln lassen. Ziel des Projektes ist es auszuloten, welche Transformationen im Kirchen- und Amtsverständnis mit seiner Hilfe eingeleitet werden können. Das Projekt hinterfragt die in der christlichen Hermeneutik von Wort und Fleisch implizit mitlaufende Annahme, dass der Geist über den Körper herrscht und das Wort das Fleisch inspiriert und ‚beseelt‘. Die Leiblichkeit der Kirche wird stattdessen als eine verkörperte Praxis interpretiert, in welcher die Gegenwart Gottes am Ort der Kirche niemals abstrakt und unabhängig von der eigentümlichen Materialität und Medialität sozialen Seins existiert. Im Blick auf die Deutung der Kirche als Leib Christi leitet der Ansatz bei der Verkörperung in diesem Sinne einen Perspektivwechsel ein – weg von einem organologischen Leibverständnis, welches traditionell die untrennbare Einheit von Haupt und Gliedern sowie der Glieder untereinander akzentuiert, aber auch weg vom subjekttheoretischen und phänomenologischen Begriff der Leiblichkeit, der auf Kirche als Wahrnehmungsform und Zeugnisgemeinschaft der Gegenwart Gottes zielt. Stattdessen wird Kirchesein als medial potente Praxisform begriffen, die vielfältige Formen der Figuration einer Präsenz und Absenz Christi an den sozialen Orten und in den öffentlichen Räumen dieser Welt zu stiften vermag. Die Erforschung der Sichtbarkeit der Kirche setzt aus dieser Perspektive nicht erst bei ihrer Existenz als öffentliche Institution und bei ihrem politischen Handeln ein, sondern bereits bei der Prägnanz ihrer medialen Verkörperungen, welche ihr als einer Praxis der Vermittlung zwischen Gott und Welt zueigen sind. Theologisch zu bedenken ist bei der Anwendung dieses Ansatzes in der Ekklesiologie, dass sich der Lebensvollzug der Kirche stets auf die zentrale Verkörperung Gottes in Jesus Christus (‚Leib Christi‘) ausrichtet und von ihr her zu legitimieren sucht. Inwiefern die singuläre Verkörperung Gottes in Jesus Christus mit den multiplen Verkörperungsformen der Kirche in Verbindung steht, wird daher eine der zu klärenden Fragen des Forschungsprojektes sein.

 

Projekt "Eine kritische Phänomenologie der christlichen körperlichen Affekte":

 

Das Projekt möchte einen gegenwartsorientierten theologisch-philosophischen Zugang zum Körper bieten. Ausgangspunkt ist der weithin geteilte Befund, dass Körperkonzepten im westlichen Denken oft ein inferiorer und untergeordneter Status zugeschrieben wurde. Die Konsequenzen liegen auf der Hand,. treten aktuell doch die (Un)sichtbarkeit des Körpers und die Formen von Gewalt, die sich fortwährend gegen ihn richten, allerorts zutage. In einer Linie mit neueren Theorieentwicklungen, die eine Umkehr dieser Dynamik anstreben, zielt dieses Projekt auf eine Beschreibung des Körpers, die zur theologischen Reflexion beiträgt, indem es manche ihrer eigenen – oft problematischen – Lehraussagen reinterpretiert und zudem abschätzt, welchen Einfluss dies auf Religion und Politik haben könnte. Um das zu erreichen, setzt sich das Projekt drei Hauptziele. Erstens strebt es eine Beschreibung des Körpers an, die sich von den jüngsten Arbeiten im Feld der Phänomenologie informieren lässt. Darüber hinaus bezieht es Einsichten aus dem entstehenden Feld der ‚Affekttheorie‘ in die Phänomenologie mit ein. Die Affekttheorie versucht, ‚Kräfte‘ zu formulieren, die von innen und außen auf den Körper einwirken, die aber nicht immer auf die Ebene des Bewusstseins gelangen. Da sie vorkognitiv wirken, bilden diese Kräfte oder Affekte eine leistungsfähige analytische Ressource für das Verständnis dessen, wie Körper in Weisen ‚bewegt werden‘, die nicht immer für diskursive oder phänomenologische Formen des Wissens verfügbar sind. Das Ziel ist daher, einen neuartigen philosophischen Zugang zum Leben des Körpers zu eröffnen, nämlich eine „kritische Phänomenologie des körperlichen Affekts“. Das zweite Ziel ist methodologischer Art: Wie kann diese philosophische Interpretation des Körpers mit der Theologie ins Gespräch gebracht werden? Die Geschichte dieses Verhältnisses ist angespannt: Sollte die Theologie philosophische Einsichten ausschließen, muss die Philosophie die Theologie usurpieren, oder sollten beide gar getrennte Wege gehen? Durch die Einbeziehung von Debatten aus der kontinentalen Wende zur Religion hofft diese Studie nicht nur zu zeigen, dass diese Disziplinen notwendig verflochten sind, sondern dass nur auf der Basis einer fortgesetzten Differenzierung eine echte Begegnung zwischen beiden möglich ist. Dementsprechend besteht das dritte Ziel darin, eine konstruktive Verbindung zwischen dem philosophischen Zugang zum Leben des Körpers und der christlichen Theologie herzustellen. Das soll vorrangig am Ort der Dynamik von Sünde und Gnade geschehen. Im Horizont der gegenwärtigen Debatte um die theologische Relevanz von Sünde hofft dieses Projekt, nicht nur zur theologischen Reflexion auf das Thema Sünde beizutragen, sondern auch mögliche Konsequenzen für Religion und Politik auszumachen. Ein phänomenologisch-affektiv verstandener Körper verleiht dem theologischen Thema der Sünde einen neuen bedeutsamen Sinn, genauso wie er selbst Teil der transformativen Bewegung der Gnade wird.

 

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Habilitation Dr. Hendrik Stoppel

Herr Dr. Hendrik Stoppel, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Ökumene und Dogmatik, hat am 31.8.2023 seine Habilitation zum Thema „Zwischen Mythos und Eschaton. Die Frage nach der Wirklichkeit Gottes“ an der Theologischen Fakultät Heidelberg eingereicht. Wir wünschen ihm viel Erfolg und alles Gute für den Abschluss des Habilitationsverfahrens!

Ab Oktober 2023 wird Dr. Hendrik Stoppel den Lehrstuhl für Ökumene und Dogmatik an der Ruhr-Universität Bochum vertreten.

 

Frau Prof. Dr. Rebekka A. Klein befindet sich im Winter 2023/24 im Forschungssemester und bearbeitet das DFG-Projekt "Eine kritische Phänomenologie der christlichen körperlichen Affekte".

 

 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

New Article on Sovereignty at SAET

Read the Article

A new article on sovereignty has been contributed to the St Andrews Encyclopedia of Theology by Rebekka Klein.

The article presents sovereignty within the context of Christian theology, not as an abstract concept of political theory and action but as a complex historical concept which reflects how power can be generated and performatively exercised as a dynamic and relational phenomenon. It presents a politico-theological genealogy of sovereignty by examining the lines of connection between the modern politics of a free and contingent power and the Christian confession of God as free in the sense of omnipotent. From the earliest days of Christianity, God is addressed as a saving power, far superior in its action to all political, social, and religious powers. The scholastic concept of omnipotence portrays God in a dynamic and free relationship with his creation, and by this overcomes the metaphysical notion of a natural, eternal order of the social world. This opens the way for the modern idea of a sovereign political order based on freedom.

 

 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

Ökumenischer Rat der Kirchen

Weitere Informationen

Prof. Dr. Rebekka A. Klein ist im Juni 2023 in Genf vom Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen / World Council of Churches (WCC) in die Gemeinsame Arbeitsgruppe des ÖRK und der Römisch-Katholischen Kirche (Joint Working Group) berufen worden. Sie vertritt damit die Evangelische Kirche in Deutschland in diesem Gremium.

Die Gemeinsame Arbeitsgruppe (JWG) wurde 1965 direkt im Anschluss an das Zweite Vatikanische Konzil gegründet, hat 20 Mitglieder und tagt einmal im Jahr. Sie steht in gemeinsamer Trägerschaft des ÖRK und der Römisch-Katholischen Kirche und versteht sich als Instrument für die weitere Stärkung der Zusammenarbeit des ÖRK mit der Römisch-Katholischen Kirche, die nicht Mitglied im ÖRK ist.

 

 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

Workshop Series “The Body as (Un-)Thinkable”

Body Workshop Outline   (63.5 kB)


 

Prof. Dr. Rebekka Klein and Dr. Calvin Ullrich will pursue a workshop series on 'Thinking of the Body' in 2022 and 2023. Drawing together experts in the fields of philosophy, theology, and psychoanalytic theory, the workshops will debate contemporary notions of the body with a focus on their material, affective, and alien nature.

The workshop series asks for a yet more urgent thinking of the body as well as a thinking of its unthinkability and alienness. As Jean-Luc Nancy has shown, the body is always present in Christian metaphysics only as a body of meaning. It is a body that is always already sacrificed and “crossed-out”/“crucified” in the quest for its meaning, in order to constitute the mystical body for consecration and sharing. The thinking of the body can only be renewed by overcoming this fear of the meaningless–body inscribed into the hermeneutics of the flesh, which paves the way for modern culture. Therefore, what is calling is a body not only exceeding thought or escaping its confines, but also a body which presents an impossibility or even a monstrous gravity for thought: an unthinkable body that might open alternative ways to articulate its relation to religion, politics, and understanding. It is to this tensity between “thinking of the body and the body as unthinkable” that this workshop series is addressed.

For participation email to: oekumene@rub.de

 

Workshops I and II have been taken place in july and august 2022.

Part III is planned for sept,12-13th, 2023.

Speakers:

 

Part I+II:

Richard Kearney (Boston), Thomas Fuchs (Heidelberg), Donovan Schaefer (Philadelphia), Gregor Etzelmüller (Osnabrück), Reinhold Esterbauer (Graz), Markus Mühling (Wuppertal), Michael Staudigl (Wien), Selin Gerlek (Hagen), Lisa Blackman (London), Theresia Heimerl (Graz), Mathias Wirth (Bern), and Rachel Aumiller (New York).

 

Part III:

Emmanuel Falque (Paris):

The Necessity of the Body: A Dialogue with Heidegger

 

Hartmut von Sass (Berlin):

Ecclesial Body: The Doctrine of the Church and the Limits of Performance

 

Kurt Appel (Wien):

Between Body and Unwritten Text: Reflections based on the Biblical Canon and Hegel’s Science of Logic

 

Ulrich Körtner (Wien):

Body Language: Outlines of a Hermeneutics of the Body

 

Espen Dahl (Tromso):

The Nature of the Body and the Body of Nature

 

Burkhard Liebsch (Bochum):

Some Critical Remarks on Jean-Luc Nancy’s Corpus

 

Fana Schiefen (Münster):

Bodily (Un-)Doing Memory. Deconstructing Body and Memory in Theological Perspective

 

Aaron Looney (Tübingen):

Bodies of Shame: Tracing Boundaries between Animal, Human, and the Person

 

 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

New Research Project on the Body of Christ

The German Research Foundation (DFG) is funding a new research project by Prof. Dr. Rebekka A. Klein on ›The Body of Christ‹.

The research project aims to shed new light on the metaphorical interpretation of the church as the body of Christ and to explore the cross-denominational and ecumenical potentials of a perception of the church as embodied practice. As a starting point, the Roman Catholic and Protestant approaches to embodied anthropology will serve. The project assumes that this approach can be used to set new accents not only in theological anthropology and ethics, but also in Christology and Ecclesiology. Moreover, it will be shown that the potentials of this approach can be developed not only within confessional ecclesiologies, but also ecumenically. The aim of the project is to explore which transformations in the understanding of church and ministry can be initiated with its help. The project questions the implicit assumption in the Christian hermeneutics of word and flesh that the spirit rules over the body and the word inspires and 'animates' the flesh. The corporeality of the church is instead interpreted as an embodied praxis in which the presence of God in the place of the church never exists abstractly and independently of the peculiar materiality and mediality of social being. With regard to the interpretation of the church as the body of Christ, the approach to embodiment in this sense introduces a change of perspective - away from an organological understanding of the body, which traditionally accentuates the inseparable unity of head and members as well as of the members among themselves, but also away from the subject-theoretical and phenomenological concept of bodiliness (Leiblichkeit), which aims at church as a form of perception and testimony community of the presence of God. Instead, being church is conceived as a medially potent form of practice that is able to endow multiple forms of figuration of a presence and absence of Christ in the social places and public spaces of this world. From this perspective, research into the visibility of the church does not begin with its existence as a public institution and with its political action, but already with the conciseness of its medial embodiments, which are characteristic of it as a practice of mediation between God and the world. Theologically, when applying this approach to ecclesiology, it is important to bear in mind that the life of the church is always oriented towards the central embodiment of God in Jesus Christ ('body of Christ') and seeks to legitimize itself from it. To what extent the singular embodiment of God in Jesus Christ is related to the multiple embodiments of the church will therefore be one of the questions to be clarified in the research project.

 

 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

New Chapter "Theo-Politics"

In dem von Georg Pfleiderer, Mathias Wüthrich und Christiane Tietz herausgegebenen Band „Zentrierte Theologie. Karl Barths Beitrag zur Verständigung der theologischen Disziplinen“ (DeGruyter, 2023) hat Rebekka Klein ein Kapitel zur Bedeutung der Theologie Barths für die gegenwärtige Krise der Demokratie verfasst.

In dem Kapitel wird die Frage aufgeworfen, inwiefern Karl Barths theologischer Ansatz für zeitgenössische Fragen einer politischen Ethik konstruktive Anknüpfungspunkte, kritische Rückfragen und aktualisierbare Einsichten bereithält. Als zentrales Thema der politischen Ethik der Gegenwart wird dabei die Frage unterstellt, wie sich Theologie (und Kirche) zu den offensichtlichen Krisenphänomenen der Demokratie am Beginn des 21. Jh. verhalten sollten. Für manche Theologen und Kirchenführer scheint diese Frage zwar gleichsam ›immer schon‹ auf die richtige Weise beantwortet zu sein, indem sie in den Modus einer beharrlichen Verteidigung der Demokratie gegen ihre Verächter wechseln. Dabei bleibt jedoch zumeist die vorher zu behandelnde Frage offen, welches Verständnis der Demokratie oder vielleicht besser: eines demokratischen Horizontes von Politik in solchen Krisen- und Kampfesdiagnosen eigentlich vorausgesetzt und in Anschlag gebracht werden kann. Um ein solches sinnvoll klären oder entwickeln zu können, benötigt die theologische Ethik vor allem eines: eine produktive Distanz zu Politik und Kultur der Gegenwart. Das Kapitel entwickelt und beleuchtet daher die These, dass die Bedeutsamkeit der Theologie Barths für aktuelle Debatten der politischen Ethik nur dann sachgerecht erfasst werden kann, wenn man sie ›genau nicht‹ als eine Form politischer und öffentlicher Theologie begreift und abhandelt.

 

In the volume edited by Georg Pfleiderer, Mathias Wüthrich, and Christiane Tietz, "Centered Theology. Karl Barth's Contribution to Understanding the Theological Disciplines" (DeGruyter, 2023), Rebekka Klein has written a chapter on the significance of Barth's theology for the current crisis of democracy.

The chapter raises the question of the extent to which Karl Barth's theological approach provides constructive points of contact, critical reconsiderations, and updateable insights for contemporary questions of political ethics. The central issue of contemporary political ethics is assumed to be the question of how theology (and church) should relate to the obvious crisis phenomena of democracy at the beginning of the 21st century. For some theologians and church leaders, this question seems to have 'always been' answered in the right way, as it were, by switching to the mode of a persistent defense of democracy against its despisers. In doing so, however, the question remains open which understanding of democracy or perhaps better: of a democratic horizon of politics can actually be presupposed and applied in such diagnoses of crisis and struggle. In order to be able to meaningfully clarify or develop such an understanding, theological ethics needs one thing above all: a productive distance from the politics and culture of the present. The chapter therefore develops and illuminates the thesis that the significance of Barth's theology for current debates in political ethics can only be properly grasped if it is understood and treated 'precisely not' as a form of political theology.

 

 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

 

New Article "Das Recht der Angst" in DZPhil

 

Im Schwerpunkt "Angstverfassungen. Über die affektiven Untergründe des Rechts" der DZPhil 3/70 (2022), hg. v. Ino Augsberg und Benno Zabel, erschien ein Artikel von Rebekka Klein zum Thema "Das Recht der Angst".

Abstract:

Insofar as the purpose of modern law is to secure the freedom of the individual, and modern law is thus a right of freedom, the question arises as to how this right of freedom relates to fear. The article first refers to the narrative of religion as a regime of fear, which is historically related to the narrative of peace through law. After analyzing the religious technique of increasing and escalating the irrational and derailing moment of fear (by referring to Søren Kierkegaard and Rudolf Otto), it contrasts the religious regime of fear with the modern regime of fear in the form of law and interprets the latter as an order of immunization against fear, i.e., as a technique of securing domination by ‘taking in the hostile other’ at the price of its division (Isabell Lorey). In this perspective, law appears as a secularized version of the religiously driven escalation of fear, which seeks to immobilize the relationship to the indeterminate and extraordinary that fear cultivates in its abysmal nature, within the framework of a secular order of immanence. Consequently, fear returns to the place of religion and superstition assigned to it in enlightened modernity and, in the form of the intensifying fear of the ‘enemy in the body’ in pandemic society, disturbingly haunts the belief in the reality-assuring power of the normative legal order.

Sofern es Sinn und Zweck des modernen Rechts ist, die Freiheit des Individuums zu sichern, und dieses moderne Recht also ein Recht der Freiheit ist, stellt sich die Frage, wie dieses Recht der Freiheit sich zur Angst verhält. Schließen ein freies Zusammenleben und Angst einander aus? Ist Angst etwas, was durch das Recht in seiner Existenz in Frage gestellt oder aufgehoben wird? Oder geht sie mit dem Recht ein Bündnis ein und ist gar eine Kehrseite des Rechts? Ruft das Recht Angst hervor, produziert es Angst und gibt es ihr Nahrung, oder bildet es eine Form der Resilienz, der Absicherung gegen gesteigerte und eskalierende Angst aus? Inwiefern informiert die Angst des Menschen das Recht oder verhält es sich genau umgekehrt, d.h., bringt das Recht als eine Ordnung und Sicherung des Zusammenlebens eine eigene spezifische Angst des Menschen hervor? In diesem Essay soll das Verhältnis von Recht und Angst in drei Schritten thematisiert werden. Zunächst wird die moderne Narration, dass Recht ein angstfreies und sicheres Zusammenleben von Menschen ermöglichen und sichern kann, kritisch beleuchtet. Dazu ist auf die mit der Erzählung vom Frieden durch Recht historisch in Zusammenhang stehende Narration von der Religion als einem Regime der Angst und der Angstverbreitung näher einzugehen und die religiöse Technik einer Eskalation der Angst genauer zu untersuchen. Sodann wird das Recht im Gegenüber zur Religion, die eine Eskalation der Angst betreibt, als eine Ordnung der Immunisierung gegen die Angst gedeutet, d.h. als eine Technik der Herrschaftssicherung durch ‚Hereinnahme‘ und Inkorporation des feindlichen Anderen durch seine Spaltung (Isabell Lorey). Recht ist in dieser Perspektive nicht der Religion als einem Regime der Angst entgegenzusetzen, sondern stellt selbst eine bestimmte säkularisierte Version eines solchen Regimes der Angst dar. Abschließend soll dann die sich in der pandemischen Gesellschaft der Gegenwart intensivierende Angst vor dem ‚Feind im Körper‘ genauer angesehen und das darin potenziell angelegte Ende eines auf Immunisierung und Normalisierung der Angst setzenden Regimes genauer bedacht werden.