Systematische Theologie insgesamt analysiert und interpretiert den Wahrheitsanspruch und die Orientierungsleistungen des christlichen Glaubens im Zusammenhang gegenwärtiger wissenschaftlicher, soziokultureller und geistesgeschichtlicher Entwicklungen.
Darüber, wie politisch Kirche sein darf und muss, wird seit frühester Zeit gestritten. Die theologischen Auffassungen sind über die Jahrhunderte hinweg stets mit abhängig von der Verfasstheit des politischen Raumes. So unstrittig dies ist, so vielfältig sind die konkreten Optionen und theo-politischen Modelle im Raum des Christentums und speziell der protestantischen Kirchen. Kirchen mischen sich in gesellschaftliche Konflikte ein, beanspruchen moralische Autorität und sprechen über Frieden, Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenrechte. Doch woher beziehen sie ihre politische Urteilskraft? Was sind die Selbstverständnisse Öffentlicher Theologien? Was unterscheidet in der Gegenwart theologisch begründete Verantwortung von religiös aufgeladenem Moralismus? Und wie gehen Kirchen mit Macht, Gewalt, Schuld und den unvermeidlichen Zumutungen politischen Handelns um? Die Vorlesung erschließt grundlegende Modelle politischer Theologie und christlicher Ethik – von Augustinus und Luther bis zu den politischen Theologien der Gegenwart. Sie fragt zugunsten einer gegenwärtigen Orientierung nach dem Verhältnis von Kirche und Staat, von Religion und Demokratie und nicht zuletzt von heißer, Moral und politischer Vernunft. Angesichts aktueller Konflikte werden die Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren kirchlicher Politik erörtert. Literatur wird in der Vorlesung vorgestellt. Die Vorlesung beginnt am 14. Oktober.
Das Verhältnis von Christentum und Judentum ist seit der Entstehung des Christentums ein theologisches Problemfeld. Schon das Neue Testament spiegelt die Konflikte der Trennungsgeschichte; in der frühen Kirche entstehen Verhältnisbestimmungen, die das christliche Denken über Jahrhunderte prägen. Diese Theologien blieben politisch nicht folgenlos: Sie wirkten sich vielfach unheilvoll auf das Verhältnis zum Diasporajudentum und später auch zum Staat Israel aus.
Der Holocaust erzwang eine grundlegende Neuorientierung christlicher Theologie. Gegenwärtig stellt sich die Frage der Verhältnisbestimmung besonderer Dringlichkeit. Konkret: Angesichts eines stark wachsenden Antisemitismus und angesichts theologischer Versuche, das Existenzrecht Israels im Rahmen postkolonialer Deutungsmuster zu delegitimieren.
Solange die Kirchen die Psalmen beten und das Neue Testament lesen, können sie der Frage nach ihrem Verhältnis zum Judentum nicht ausweichen. Die Vorlesung stellt grundlegende und prägende Modelle dieser Verhältnisbestimmung vor, analysiert ihre Voraussetzungen und fragt nach ihren theologischen wie politischen Konsequenzen. Literatur wird in der Vorlesung vorgestellt.
Beginn: 20. Oktober
Das Seminar fragt nach dem Verhältnis von christlichem Glauben und Musik aus systematisch-theologischer, insbesondere dogmatischer Perspektive. Im Zentrum steht die grundsätzliche Frage, was Musik theologisch bedeutet und ob bzw. in welcher Weise musikalische Erfahrung, musikalische Formen und musikalische Praxis für das dogmatische Denken relevant werden können. Protestantische Klassiker werden mit neueren internationalen Entwürfen (in deutscher Übersetzung) ins Gespräch gebracht. So erschließt das Seminar die seit den 1990er Jahren besonders im englischsprachigen Raum intensiv geführte „Theology and Music“-Debatte. Musik wird darin nicht mehr nur als Gegenstand theologischer Interpretation betrachte. Vielmehr wird gefragt, ob Musik theologisches Denken anregen, korrigieren oder sogar eine eigene Form theologischer Erkenntnis ermöglichen kann
Das genaue Seminarprogramm, die thematischen Schwerpunkte und die Auswahl der zu behandelnden Texte werden in der ersten Sitzung vorgestellt, gemeinsam besprochen und an konkrete Interessenslagen angepasst.
Seminarbeginn ist am 20. Oktober
Reinhold Niebuhrs „The Nature and Destiny of Man“ gehört zu den großen theologischen Entwürfen des 20. Jahrhunderts – und hat erstaunlich wenig von seiner Aktualität verloren. Im Zentrum des Buches steht die spannungsreiche Frage, wie menschliche Freiheit, Endlichkeit, Selbsttäuschung und Sünde zusammengedacht werden können. Kurz: Es geht um eine Grundlegung der Ethik und indirekt einer Theologie der Geschichte. Gerade in einer Gegenwart, die von moralischer Selbstgewissheit, geo-politischen Machtkonflikten und weitreichenden technischen Gestaltungsmöglichkeiten geprägt ist, bietet Niebuhrs „christlicher Realismus“ ein ebenso nüchternes wie provozierendes Deutungsangebot. Das Seminar lädt dazu ein, einen theologischen Klassiker neu zu entdecken und zugleich zu prüfen, was er zum Verständnis unserer eigenen Gegenwart beitragen kann.
Textgrundlage ist eine deutsche Übersetzung, die zur Verfügung gestellt wird. Das Seminar findet als digitales Blockseminar statt.
Am Mittwoch, den 21. Oktober, 14:15 wird eine digitale Einführungssitzung stattfinden. Das digitale Blockseminar findet am 13. u. 14. November und am 15. u. 16 Januar statt.
Prof. Dr. Dr. Günter Thomas
Universitätsstr. 150
Geb. GA 8/156
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Telefon: 0234 / 32 12331
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